Ehevertrag - Weshalb und warum?

Das heutige Eherecht stammt aus den 70-iger Jahren des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeit war die sogenannte Hausfrauen-Ehe noch weit verbreitet: Der Ehemann ging seiner beruflichen Tätigkeit nach, die Frau versorgte die Kinder und führte den Haushalt. Der Mann konnte so Vermögen und eine Altersvorsorge aufbauen, die einkommenslose Frau hingegen nicht. Um solche Frauen nach einer Scheidung vor dem sozialen Absturz zu schützen, hat der Gesetzgeber entsprechende gesetzliche Regelungen geschaffen. Vor diesem Hintergrund sind die Bestimmungen zum Versorgungsausgleich und zur Zugewinngemeinschaft zu sehen.

Vereinbaren die Ehegatten nichts anderes, leben Sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Im Falle der Scheidung hat die Hausfrau dann Anspruch auf hälftige Beteiligung am Vermögenszuwachs (Zugewinn) und Anrechten auf Altersvorsorge (Versorgungsausgleich). Schließlich war die Frau wegen der arbeitsintensiven und nicht bezahlten Betreuung von Kindern und Haushalt daran gehindert, erwerbstätig zu sein und sich so selbst Vermögen und eine Altersversorgung aufzubauen. Grundsätzlich ist das eine gute, weil gerechte Lösung. Zumindest auf den ersten Blick.

Heute ist die gesellschaftliche Realität jedoch oft eine andere. Der Anteil von Frauen, die eine umfassende, qualifizierte Ausbildung absolvieren, steigt stetig. Inzwischen studieren mehr Frauen als Männer. Frauen und/oder Männer wollen deshalb nach der Erziehungszeit (Elternzeit) in den erlernten Beruf zurückkehren und arbeiten. Kinderlose Doppelverdiener-Ehen sind keine Seltenheit. Hier passen die gesetzlichen Regelungen nicht mehr oder nur teilweise. Immer mehr Ehepaare wollen daher den gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft ausschließen oder diesen zumindest modifizieren. Um dies zu erreichen, muss ein notarieller Ehevertrag abgeschlossen werden. Der Ehevertrag regelt insbesondere die güterrechtlichen Verhältnisse der Ehegatten.

Zum 1. Januar 2008 ist das neue Unterhaltsrecht in Kraft getreten. Der Grundsatz der nachehelichen Eigenverantwortung stand bei der Reform im Vordergrund. Der Unterhaltsanspruch von Müttern/Vätern, welche sich der Betreuung der minderjährigen Kinder widmen, wird durch das neue Unterhaltsrecht im Vergleich zur früheren Rechtslage zeitlich reduziert. Wenn die Ehe als reine Hausfrauenehe gelebt wird, ist dringend anzuraten, einen Ehevertrag zu schließen und festzulegen, wie lange Betreuungsunterhalt zu zahlen ist. Hier kann zum Beispiel ohne Weiteres vereinbart werden, dass bis zum 18. Lebensjahr des Kindes Unterhalt an die betreuende Mutter zu zahlen ist. Der gesetzliche Anspruch endet hingen frühestens ab dem 3. Lebensjahr des Kindes.

Der Ehevertrag kann vor der Ehe, aber auch noch während der Ehe, auch noch nach vielen Jahren abgeschlossen werden. Auch wenn sich die Trennung der Eheleute bereits abzeichnet, kann noch eine Trennungs- oder Scheidungsfolgenvereinbarung geschlossen werden.

Wesentliche Punkte, die regelmäßig durch den Ehevertrag geregelt werden sind:

  • Güterstand
  • Versorgungsausgleich
  • Zugewinn
  • nachehelicher Unterhalt


  • Zunehmend unterliegen Eheverträge der richterlichen Inhaltskontrolle. Ständig ergeht neue Rechtsprechung, welche auf die mögliche Gestaltung eines Ehevertrages Einfluss hat. Wie bei jeder seriösen Rechtsberatung sind deshalb auch hier die individuellen Verhältnisse und Interessen der Beteiligten entscheidend. Pauschale Empfehlungen verbieten sich.

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